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Turnverein Willstätt 1908 e.V.
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77731 Willstätt
 

Kein Weg zu weit

32 Sport Handball Simowski SL 01Der frühere Bundesliga-Handballer des TV Nieder­würz­bach, Marcus Simowski, ist seit Ende Juni Trainer beim traditionsreichen TV Willstätt. Für den Job beim Oberligisten nimmt der 49-jährige Familienvater über 1.000 Reisekilometer pro Woche in Kauf.

Baden-Württembergs Handball-Oberliga gilt als stärkste Oberliga Deutschlands. Das allein lockt einen ambitionierten Trainer nicht unbedingt zu einem ihr angehörenden Club. Schon gar nicht, wenn der Wohnort rund 150 Kilometer weit entfernt liegt. Der Saarländer Marcus Simowski hat sich trotzdem dazu entschieden, den Posten des Cheftrainers beim TV Willstätt zu übernehmen. Der TVW spielte zwischen 1999 und 2003 (seit 2000 als SG Willstätt-Schutterwald) in der Ersten Bundesliga, seit 2010 ist er Oberligist. Zuletzt stand Simowski zwischen 2013 und 2017 beim RPS-Oberligisten HSV Merzig-Hilbringen (jetzt Saarlandliga) unter Vertrag.

 

Hinter Marcus Simowski liegt eine sehr schwere Zeit – sportlich wie privat. Nach zweieinhalb erfolgreichen Jahren gingen Trainer, Mannschaft und Verein dann 2016/2017 „nicht mit dem Kader in die Saison, den wir uns alle vorgestellt hatten“, sagt er. Am Ende stand Platz 15 und der Abstieg in die Saarlandliga.
Schon im November 2016 teilte der Trainer dem HSV mit, dass er seinen Vertrag nicht verlängern werde. Ausschlaggebend hierfür war die private Situation zu dieser Zeit. Neben seinem Beruf als IT-Angestellter bei der Stadt Völklingen und dem zeitintensiven Trainerjob kümmerte sich Simowski zusammen mit seiner Frau Rebecca auch um seinen pflegebedürftigen Vater sowie den an Leukämie erkrankten Schwiegervater. „Die letzten beiden Jahre waren sehr anstrengend. Ich habe dem Verein daraufhin mitgeteilt, dass ich eine Pause brauche“, erklärt der 49-Jährige. Der Schwiegervater verstarb Anfang Januar 2017, Simowskis Vater Anfang März. „Das hat unser Familienleben und damit auch die Basis, auf der ich mich für eine Pause entschieden habe, wieder komplett verändert“, erklärt Simowski, selbst Vater von zwei erwachsenen Töchtern (23 und 19 Jahre alt): „Deshalb konnte ich mir vorstellen, wieder ins Trainergeschäft einzusteigen, sofern mich eine Anfrage so richtig reizen würde.“

Der TV Willstätt traf dabei nicht nur den richtigen Zeitpunkt, sondern auch den Nerv des handballverrückten A-Lizenztrainers, der in seiner Ausbildung bei Bundesligist Frisch Auf Göppingen unter Startrainer Velimir Petkovic hospitierte.

Zehn Jahre lang war Marcus Simowski als Spieler in der 1. und 2. Bundesliga aktiv. Dabei trug er die Trikots des TV Niederwürzbach, TuS Dansenberg und TV Altenkessel, den er jahrelang als Kapitän anführte. Im Laufe der Saison 2002/2003 wurde er bei Oberligist HSG Völklingen vom Spieler zum Trainer und wurde 2006 mit seinem Team hinter dem TV Hochdorf Vizemeister. Gleiches gelang ihm in der Saarlandliga mit dem TBS, für den er von 2007 bis 2011 als Trainer tätig war. Es folgte der Wechsel zurück nach Völklingen, wo er das A-Jugend-Bundesligateam um den heutigen A-Nationalspieler Yves Kunkel übernahm. Auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft scheiterten die jungen Wilden aus dem Saarland einmal im Viertelfinale an Frisch Auf Göppingen und einmal im Halbfinale am SC Magdeburg. „Das war eine sehr schöne Zeit mit tollen Spielern und tollen Typen“, erinnert er sich. Ende 2013 zog es ihn schließlich zum HSV Merzig-Hilbringen.

„Er hat mich nicht nur überzeugt, sondern begeistert“

Kontakte in den Schwarzwald – genauer: in die Ortenau – hat Simowski schon seit vielen Jahren. „Ich war immer mal wieder mit meinen Mannschaften dort zu Gast, man hat sich über die Jahre kennengelernt und ausgetauscht“, erzählt er und ergänzt schmunzelnd: „Es gibt schon viele positiv handballverrückte Personen in dieser Gegend.“ Zum Beispiel der sportliche Leiter des TVW, Rudi Fritsch, der den Saarländer als Nachfolger von Dragan Markovic nach Willstätt lotste. „Er hat mir das Projekt vorgestellt und mich dabei nicht nur überzeugt, sondern begeistert“, erinnert sich Simowski. Vor allem die „sehr, sehr ordentlichen Bedingungen“, unter denen er arbeiten kann: „Es wird sich um alles gekümmert. Wir haben einen ordentlichen Kader mit einigen jungen Leuten. Es macht einfach Spaß, in einem solchen Umfeld zu arbeiten.“


Um zu diesem Umfeld zu gelangen, nimmt der frühere Kreisläufer einen langen Arbeitsweg in Kauf. Zwischen seinem Wohnort Fürstenhausen und der Trainingshalle in Willstätt liegen satte 150 Kilometer und – je nach Verkehrslage – bis zu zwei Stunden Anfahrt. Während der Saison stehen pro Woche vier Trainingseinheiten an. Trotz der guten Vereinbarkeit mit den Arbeitszeiten bleibt ein enormer zeitlicher Mehraufwand. „Wir haben mit Michael Hentschel einen Athletiktrainer installiert, der eine Trainingseinheit abhält. Außerdem gehören Co-Trainer Fredy Beker und der langjährige Bundesligatorwart des TuS Schutterwald, Hans-Peter ‚Popper‘ Fries als Torwarttrainer zum Team. Dazu kommt auch Rudi Fritsch, mit dem ich täglich telefoniere“, erklärt Simowski, dem vor Ort jederzeit eine Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung steht. Montags leitet Hentschel das Fitnesstraining. Auch der sportliche Leiter Rudi Fritsch wird die eine oder andere Einheit übernehmen, sodass Simowski nicht immer anwesend sein muss. Hinzu kommen aber die Spiele am Wochenende. „Natürlich ist das ein großer Aufwand. Aber für den Handball nimmt er so etwas gerne in Kauf. Es ist für mich einfach eine tolle Möglichkeit, sehr leistungsbezogen arbeiten zu können, ohne meine Arbeit aufgeben oder umziehen zu müssen.“ Auch seine Familie steht hinter ihm – allen voran Ehefrau Rebecca: „Die Entscheidung haben wir gemeinsam getroffen. Sie ist von Anfang an dabei und hat meine aktive Zeit schon miterlebt. Handball ist in unserem Leben ein ganz wichtiger Faktor, bei dem meine Frau und meine Töchter mitfiebern.“

Diese Leidenschaft für den Sport will er schnellstmöglich bei seinen neuen Spielern entfachen, denen er klipp und klar sagte: „Ich nehme vieles in Kauf, investiere viel Engagement und Herzblut. Das erwarte ich auch von euch.“ Im Ergebnis soll dies zu einer besseren Platzierung führen als Rang zwölf in der letzten Saison.

Dafür muss IT-Experte Simowski fünf Neuzugänge und seine Spielidee implementieren. „Ich will die Lust auf das Abwehrspiel in die Köpfe bekommen“, betont der Saarländer, der den Ansprüchen des traditionsreichen Clubs gerecht werden will. Am besten schon im ersten Saisonspiel, das am 9. September in der heimischen Hanauerlandhalle gegen Drittliga-Absteiger SG Pforzheim/Eutingen steigt.

 

Autor:
Sebastian Zenner